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Menschenallergie bei Hund und Katze

Menschenallergie bei Hund und Katze


Viele Tiere leiden unter Allergien und oft sind die Auslöser bei Tieren die gleichen Allergene, die auch den Menschen zu schaffen machen. Doch nicht nur Pollen, Milben und Futtermittel können bei Hund und Katze Allergien auslösen. Auch der Mensch kann Allergene produzieren, auf die dann Tiere allergisch reagieren. MeinAllergiePortal sprach mit dem Fachtierarzt für Dermatologie Dr. Otto W. Fischer von der Tierklinik Korneuburg bei Wien über Allergien von Tieren auf Menschen (= Menschenallergie) und was die Tierbesitzer darüber wissen sollten.

Herr Dr. Fischer bei welchen Tierarten kann es zu allergischen Reaktionen auf menschliche Proteine kommen?

Ich kann nur von meinem Fachgebiet, der Kleintierdermatologie, sprechen und hier haben wir klare Hinweise darauf, dass die Allergie auf menschliche Proteine bei Hunden und Katzen ein Thema ist. Genau wie Menschen auf Hunde oder Katzen allergisch reagieren können, kann es bei Hund und Katze zu Hypersensibilitäten, d.h. zu Überreaktionen auf menschliche Oberflächenproteine kommen.

Wie kommt es zu dem Verdacht, dass ein Hund oder eine Katze eine Allergie auf den Menschen hat?

Bei der Allergiediagnostik geht man ja nach dem Ausschlussprinzip vor. Man beginnt mit dem Ausschluss einer Nahrungsmittelallergie bzw. Nahrungsmittelüberempfindlichkeit und in der Regel erfolgt dies über eine Ausschlussdiät. Erst wenn man hier nichts feststellen kann, erweitert man die Diagnostik in Richtung auf Umweltallergien.

Gute diagnostische Möglichkeiten bestehen bei den Pollenallergien und der Milbenallergie. Lässt sich hier auch kein allergener Auslöser ermitteln, ziehen wir in Erwägung, dass Allergene des Menschen eine Rolle spielen könnten, also eine sogenannte Menschenallergie vorliegen könnte. Leider ist dies keine sehr präzise und befriedigende Diagnose, aber jeder, der sich mit Allergien befasst, kennt dieses Problem. Die Allergiediagnose ist ein Abarbeitungsprozess bei dem man mit kriminalistischem Spürsinn vorgehen muss. Am Ende bleibt dann manchmal die Vermutung, dass das Tier an einer Allergie auf den Menschen leidet.

Wie häufig kommt es vor, dass Hunde oder Katzen allergisch auf Menschen reagieren?

Ich würde sagen von 100 allergischen Hunden und Katzen haben nur 2 bis 3 eine Menschenallergie bzw. zeigen allergische Reaktionen auf Menschen. Im übertragenen Sinne heißt dass, wenn wir davon ausgehen, dass ca. 15 Prozent unserer tierischen Population Allergiker sind, wären davon wiederum 1 bis 2 Prozent allergisch auf den Menschen – das entspricht 1 bis 2 Promille. Das ist sicher eine gewisse Größenordnung, wenn auch nicht die wichtigste im Bereich der Allergien bei Tieren.

Sind von der Menschenallergie mehr Katzen oder mehr Hunde betroffen?

Das kann man nicht genau sagen. Bei der Katze ist es ein bisschen besser untersucht, aber genaue Zahlen haben wir nicht. Auch bzgl. der jeweiligen Rassen gibt es noch keine Hinweise auf unterschiedliche Risiken, eine Allergie auf Menschen zu entwickeln.

Zur Menschenallergie bei Tieren gäbe es noch viel zu forschen, man stößt jedoch auf große Schwierigkeiten bei der Diagnostik. So ist es in der Praxis nicht möglich, zur Allergenvermeidung bestimmte oder alle Menschen aus dem Umfeld der Tiere zu entfernen, um zu sehen, ob die Symptome sich bessern und dann eine Provokationsprobe zu machen.

Umgekehrt wurde das früher ja fast schon reflexhaft praktiziert, Allergologen haben ihren Patienten bei Allergien pauschal stets empfohlen, ihre Haustiere abzuschaffen. Umgekehrt funktioniert das aber nicht, denn wer gibt schon seinen Hund oder seine Katze über Wochen weg, um das Tier vor den eigenen Allergenen zu schützen, möglichst auch noch zu verschiedenen Menschen hintereinander? Das scheitert bereits an den emotionalen Gegebenheiten!

Welches Allergen des Menschen kann bei Tieren Allergien auslösen und was weiß man über die Allergenität?

Ähnlich wie bei den Allergenen der Tiere, sind es beim Menschen die Proteine in den Hautschuppen, die die allergischen Reaktionen verursachen können. Die Haare des Menschen an sich, von denen wir vergleichsweise sowieso nicht so viele haben, spielen weniger eine Rolle.

Auch die Proteine im Speichel, die bei Tieren durch das Lecken im Fell haften und deren Bruchstücke dann in der Luft suspendiert sind, sind beim Menschen als Allergenquelle weniger relevant.

Ob es Unterschiede zwischen den Menschen gibt und wie hoch die Allergenität einzelner Individuen ist kann man zurzeit noch nicht sagen.

Gibt es bereits Extrakte zur Diagnose einer Allergie auf Menschenproteine bei Tieren?

Es gibt eine US Firma, die Extrakte mit „Human Dander“ d.h. menschlichen Hautschuppen zur Diagnose einer Sensibilisierung von Hunden oder Katzen auf Menschenallergene herstellt.

Allerdings dient dieses Extrakt nur der Diagnose und nicht zur Therapie, der Hyposensibilisierung. Dieser Umstand ist es auch, der uns zurzeit aus tierärztlicher Sicht von einer Testung der Tiere auf menschliche Allergene abhält, denn wenn man keine Therapie anschließen kann, macht die Diagnostik nicht unbedingt Sinn. Zudem wissen wir, dass Intrakutantests keine 100prozentige Diagnose bieten, sondern immer nur ein Teil im Diagnose-Puzzle sind.

Hinzu kommen sanitätspolizeiliche Gründe. Bei einer Hyposensibilisierung von Hunden oder Katzen auf das menschliche Allergen, würden menschliche Hautschuppen in die Tiere eingebracht. Dadurch stellt sich die Problematik von Retroviren wie HIV, die da vom Menschen auf das Tier übertragen werden könnten.

Inhalative Allergien zeigen sich bei Tieren über die Haut, gilt das auch für Allergien auf menschliche Allergene?

In der Regel manifestieren sich die Symptome der Umweltallergien bei Hunden und Katzen über die Haut. Auch bestehende Futtermittelallergien zeigen sich oft nur an der Haut und nicht am Magen-Darm-Trakt, manchmal aber auch in Kombination.

Während es beim Hund kaum bekannt ist, dass eine Allergie auch Asthma auslösen kann, sieht dies bei der Katze anders aus. Ein gewisser Prozentsatz der Katzen kann, wie der Mensch auch, im Laufe der Allergiekarriere schwerwiegende Allergieprobleme an der Lunge, d.h. Asthma, entwickeln.

Symptome wie die allergische Rhinitis oder die allergische Konjunktivitis, d.h. laufende Nasen und tränende Augen, findet man bei Hunden und Katzen aber ausgesprochen selten.

Gibt es Maßnahmen zur Allergenmeidung beim Tier?

Ideal wäre natürlich die Allergenvermeidung, aber das würde bedeuten, dass Hund oder Katze ihr Herrchen oder Frauchen verlieren. In der Umwelt des Tieres kann man aber eine ganze Reihe von Maßnahmen ergreifen, um die Allergenbelastung des Tieres durch Menschenallergene zu reduzieren. Eine unbeliebte, aber sicher wichtige Maßnahme ist es, Hund oder Katze nicht mehr ins Schlafzimmer zu lassen und schon gar nicht ins Bett, denn dort ist die Konzentration unserer Hautschuppen besonders hoch.

Wenn er unter trockener Haut leidet, ist dem Tierbesitzer zu raten, an seiner Haut mit feuchtigkeitsspendenden Lotionen zu arbeiten und die Desquamation, also die Abschuppung, seiner Haut und damit der allergenen Proteine zu reduzieren.

Weiter ist eine zentrale Staubsaugeranlage zu empfehlen, so dass die allergenen Partikel beim Staubsaugen nicht nur vorne eingesaugt und hinten wieder ausgestoßen werden. Alternativ wäre zumindest ein Staubsauger für Allergiker angeraten.

Im Falle einer allergischen Katze wäre es auch eine Überlegung, das Tier in einem anderen Stil zu halten, z.B. als Freilandkatze, die nicht mehr ins Haus kommt. Das Tier würde so mit den Menschenallergenen weniger stark in Berührung kommen. Bei Hunden funktioniert eine solche Strategie aber nicht so leicht, eine Zwingerhaltung ist für die meisten Tierhalter inakzeptabel.

Und wenn all diese Karenzmaßnahmen zur Linderung der Menschenallergie nicht helfen?

Dann bleibt nur die symptomatische Therapie, d.h. es geht darum, die Allergie beim Tier zu kontrollieren. Dazu gehört sicherlich die Stoffgruppe der Kortikoide, d.h. die Behandlung des Tieres mit systemisch und / oder lokal wirkenden Kortisonpräparaten.

Bewährt haben sich auch Produkte aus der Stoffgruppe der Calcineurin-Inhibitoren wie z.B. Cyclosporin A, die systemisch gegeben werden können oder auch lokale Calcineurin-Inhibitoren wie Tacrolimus. Diese Wirkstoffe werden ja auch zur Behandlung von Allergien beim Menschen eingesetzt, nachdem sie zuvor am Tier erprobt wurden. Die Wirkungen an Tier und Mensch sind weitgehend ähnlich, aber keinesfalls sollte man ohne tierärztlichen Rat Medikamente für den Menschen auf das Tier umwidmen, denn es gibt immer wieder Wirkstoffe, die beim Menschen gut und beim Tier sehr schlecht verträglich sind oder keine Wirkung zeigen.

Ein Beispiel hierfür sind die Antihistaminika, die man beim Tier nur eingeschränkt einsetzen kann. Das liegt daran, dass Histamin im Zusammenhang mit Allergien beim Tier nicht die gleiche Rolle spielt, wie beim Menschen. In der Regel ist es deshalb nicht erfolgreich, wenn man bei Tieren ausschließlich Antihistaminika einsetzt.

Zur symptomatischen Behandlung von Allergien bei Tieren gibt es eine sehr vielversprechende neue Entwicklung aus der Wirkstoffgruppe der Januskinase-Inhibitoren, das Oclacitinib. Oclacitinib stoppt die Entzündungen der Haut und insbesondere den Juckreiz, das Kardinalsymptom der Allergien beim Tier. Darüber hinaus wirkt Oclacitinib sehr rasch und zeigt nicht die typischen Nebenwirkungen der Kortikoide.

Abgesehen von den genannten systemischen Behandlungsmöglichkeiten, was kann man bei Hunden und Katzen zur lokalen Behandlung der Allergien tun?

Zu den lokalen Maßnahmen bei der Allergiebehandlung von Hund und Katze gehören die medizinischen Shampoos. Hier geht es darum, für die Wiederherstellung einer intakten Hautbarriere zu sorgen und ein gesundes Mikroklima auf der Haut herzustellen. Tiere mit Allergien haben sehr häufig Sekundärinfektionen mit Staphylokokken oder mit Sprosspilzen, mit Malassezien und hier gilt es auch diese Sekundärerkrankungen der Allergie mit in das Therapiekonzept einzubeziehen.

Für die Tierbesitzer ist es wichtig zu wissen, dass die Behandlung einer Allergie kein einfaches Konzept ist, bei dem es ausreicht, dem Tier einmal täglich eine Tablette zu verabreichen oder einmal im Monat eine Spritze geben zu lassen. Oft sind es multimodale Therapien, d.h. Therapien, die aus mehreren Modulen bestehen und die sowohl systemische als auch lokale Behandlungsmaßnahmen beinhalten. Oft müssen diese Maßnahmen auch dem ungleichmäßigen Rhythmus der Allergie angepasst werden. Das bedeutet: Die Behandlung einer Allergie erfordert eine sehr intensive Mitarbeit des Tierbesitzers um ein gutes Ergebnis zu erzielen und es dauert eine gewisse Zeit, bis der richtige Therapiemix gefunden ist.

Beim Tierbesitzer setzt dies einen gewissen Lernprozess voraus, er muss lernen einzuschätzen, welche Medikation wann und in welcher Dosis die richtige ist. Sobald die Symptome sich verbessern, glauben viele, sie könnten die Behandlung abbrechen, aber dann kommt der Rückfall so sicher wie das Amen in der Kirche. Der Tierbesitzer muss verstehen, dass eine Allergie nie wieder weggeht und deshalb ist es beim Erstgespräch mit dem Tierbesitzer so wesentlich, dass sehr klar wird, um welche Art von Erkrankung es sich bei einer Allergie handelt und welche finanziellen Aufwendungen damit verbunden sind. Aus tierärztlicher Sicht ist der Tierbesitzer ein „Sekundärpatient“, der vom Zeitpunkt der Diagnose an genau wissen muss, was bei einer Allergie passiert und wie er sein Tier betreuen muss, damit es symptomfrei leben kann. Ist dies geklärt, fällt die Umsetzung der Therapiepläne wesentlich leichter. Ich erlebe es in der Praxis aber leider relativ häufig, dass Tierbesitzer jahrelang „umherirren“ ohne dass ihnen erklärt wurde, was das Wesen einer Allergie ist und was das für ihr Tier bedeutet.

Wie kommt es zu diesem Mangel an Informationen?

Nicht jeder Tierarzt kennt sich mit Allergien aus. Im Veterinärbereich entsprechen die Dermatologen den Allergologen der Humanmedizin. Es gibt aber in Österreich spezialisierte Tierärzte, die über die Kammer zu finden sind. Deshalb würde ich jedem Tierbesitzer, der schon länger Probleme bei seinem Tier beobachtet, ohne dass diese unter Kontrolle gebracht werden können, raten, sich von einem Spezialisten beraten zu lassen. Die Beratung erfolgt dann in Absprache mit den Haustierärzten.

Herr Dr. Fischer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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